Expedition patagonisches Inlandeis 2009

Nov 06

Eintrag #29

Publiziert am 22:14
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Ansichtssachen sind die Dinge, über die man sich nicht einigen kann. Zum
Beispiel, welches der schönste Berg oder der schönste Bergblick der
Welt sein könnte. Man muss natürlich viele schöne Berge gesehen haben, um sich
diesbezüglich ein Urteil bilden zu können. Ich hab schon viele gesehen:
K2, Mustagh Tower, Pumo Ri und allen voran die unvergleichlich schöne
Ama Dablam. Zu jener hab ich auch noch eine besondere Beziehung, weil
ich sie als Jahreserster 2008 bestiegen habe.

Aber heute morgen kamen meinen Ansichten, den schönsten Berg der Welt
betreffend, ganz erheblich ins Wanken. Heute morgen hatten wir das wohl
extrem seltene Glück, die Gruppe um den Fitz Roy frei und im aller
besten Licht des Tages bewundern zu können.

Bild fitz: Wenn der Berg denn überhaupt sichtbar ist, gibt es nur für
wenige Minuten ganz zeitig am Morgen dieses Licht. Von links nach rechts
sind folgende Gipfel sichtbar: Saint Exupery, Rafael Juarez, Poincenot,
Fitz Roy.

Die Gipfel hier kommen mir vor wie Frauen, die ihre Schönheit hinter
dicken Schleiern verbergen müssen. Wenn überhaupt, ist es Zufall, wenn man
etwas zu sehen bekommt. Wir hatten heute einfach ungeheures Glück, waren
aber auch zur rechten Zeit am rechten Ort und haben uns nicht gescheut,
zeitig genug draussen zu frieren.

Das besondere an diesen Gipfeln ist nicht nur ihre bizarre Form und Farbe
sowie ihre extreme Steilheit. Man kommt relativ nah an sie heran und steht
dann immer noch weit unten. 2800 Meter Fels ragen dann vor einem aus der
Landschaft. Das ist ungeheuerlich. Der Fitz Roy ist nur 3406 Meter hoch.
Aber trotzdem schlägt er sie alle. Für mich gibt es nun einen neuen
Favoriten!

Bild fitzsonne: Aber auch am Abend im Gegenlicht ist die Gruppe um den Fitz
Roy eine Offenbarung. Man kann nicht aufhören, auf den Auslöser zu drücken.
Eine Stimmung ist dramatischer als die andere.

Wir waren die drei vergangenen Tage draussen und haben uns mit den
Gegebenheiten bezüglich einer Besteigung des Fitz Roy beschäftigt. Nach einem
Besuch im Basislager am Rio Blanco sind wir zu einem kleinen Gipfel
aufgestiegen, von dem man den ersten Teil des Zustieges zum Wandfuss
studieren kann.

Dann haben wir auch noch einen Abstecher zum Cerro Torre gemacht, den wir
natürlich auch noch unbedingt sehen wollten. Aber er ziehrte sich natürlich.
Außerdem muss man auch ihn, wenn man sich an seiner Ostseite aufhält, am
Morgen sehen. Nur dann gibt es das ultimative Licht. Aber ich werde
natürlich alles daran setzen, auch diese Schönheit noch unverschleiert vor
mein Objektiv zu bekommen.

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